Beschäftigt man sich mit den Methoden des konventionellen Orangenanbaus, entdeckt man gute Gründe, sich mit dem Themen "Bio-Orangen" und "Fairer Handel mit Orangen" auseinanderzusetzen.
Um den Anbau von Bio-Orangen zu verstehen, ist zunächst wesentlich, wie der konventionelle Anbau funktioniert. Im konventionellen Anbau sind sowohl Dünger als auch Pflanzenschutz chemikalisch, d.h. dass durch diese Chemikalien die natürliche Situation der Pflanzen völlig beseitigt wird. Orangen, die die weltweit bedeutendste kommerzielle Obstsorte darstellen, werden durch Kunstdünger, Insektizide und Pestizide zu einer ökologisch sehr problematischen Kulturpflanze.
Im konventionellen, also "nicht-Bio"-Anbau werden die Plantagen mittels Insektiziden und Pestiziden von allen natürlichen Elemente wie Insekten oder dem Wuchs von wilden Kräutern befreit. Das Ergebnis ist zunächst beeindruckend, da die Pflanzen aufgrund fehlender Schädlinge wie Insekten oder Pilzen gleichmäßig dunkelgrüne Blätter haben und somit vitaler und gesünder wirken. Auch die Früchte wirken gesünder.
Dieses Bild ist allerdings trügerisch, da die Verbesserung des äußeren Zustands der Pflanzen und Früchte mit einer Vergiftung des Lebensraums und der Pflanzen- und Fruchtbestandteile erkauft wird. So befinden sich in den Früchten aus konventionellem Anbau erhebliche Pestizidrückstände, vor allem in den Schalen von Zitrusfrüchten. Auch bei der Reife und für den Transport der Früchte werden Chemikalien eingesetzt. Orangen reifen bei kühleren Temperaturen. In konventionellen Betrieben wird zur Beschleunigung der Reifung Ethylen eingesetzt. Da die Insektizidbehandlung der Plantage nahezu alle Insekten tötet, werden die Pflanzen weiter hormonell behandelt, um die Befruchtung zu begünstigen.
Insgesamt werden die Pflanzen durch die chemischen Präparate geschwächt. Eine Pflanze, die sich an Kunstdünger gewöhnt, verhält sich wie ein Drogenabhängiger: Sie ist nur noch eingeschränkt in der Lage, ihre vitalen Funktionen ohne die "Droge" Kunstdünger aufrecht zu halten. Aber auch die Früchte, die aus dem konventionellen Anbau in den Handel kommen, sind aus der ökologisch-gesundheitlichen Perspektive bedenklich. Für den Transport der Früchte werden pilztötende Mittel bzw. Wachse eingesetzt, die vor allem die Fruchtschale stark belasten. Zur Schalenbehandlung von Zitrusfrüchten sind die Konservierungsmittel Diphenyl (E230), Orthophenylphenol (E231), Natriumorthophenylphenol (E232) und Thiabendazol (E233) gebräuchlich. Sie töten Pilze ab und werden sowohl als Fungizid vor der Ernte, als auch als Konservierungsmittel für die Schale nach der Ernte eingesetzt. Thiabendazol beispielsweise führt bei hohen Dosen zu Erbrechen und Schwindelgefühl, andere Pestizidrückstände können Kopfschmerzen und chronische Schleimhauterkrankungen bewirken. Bei Orangen aus konventionellem Anbau, aber auch bei anderen konventionell angebauten Zitrusfrüchten müssen unbedingt die Hände nach dem Schälen der Früchte gewaschen werden.
Es gibt also viele gute Gründe, eine ökologische Variante des Orangenanbaus und -kaufs zu probieren. Beim Anbau von Bio-Orangen, der in Europa sehr genau kontrolliert wird, kommt es darauf an, auf Insektizide, Pestizide und Kunstdünger zu verzichten. Daher wird für die Düngung ein organischer Dünger bestehend aus Federn, Haut- und gemahlene Knochenteilen verwendet. Auch eine Düngung mit Mist wird zu Beginn der Vegetationsperiode, also bevor die Früchte gebildet werden, durchgeführt.
Da der Einsatz von Insektiziden und Pestiziden verboten ist, kann man im biologischen Anbau von Bio-Orangen für die Bekämpfung von Schädlingen nur mechanische Methoden einsetzen. So wird z.B. in italienischen Bio-Orangen-Plantagen eine mechanische Falle eingesetzt, um die mediterrane Fruchtfliege als Schädling zu reduzieren. Um die Fruchtfliege in die Falle zu locken, werden Plastikflaschen mit Fischkadavern aufgehängt, in die die Fliegen zwar hinein- aber nicht mehr herauskommen. Somit kann ein Teil der Fruchtfliegen unschädlich gemacht werden.
Natürlich ist der Bio-Anbau aufwändiger als die konventionelle Produktion. Insgesamt sind Bio-Orangen in der Herstellung um 30 % teurer als eine aus konventionellen Beständen. Dennoch können Bio-Importeure bestehen, da viele Menschen die Probleme des konventionellen Südfrüchteanbaus erkennen.